Informationsanfrage – Mein Baum für Chemnitz

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Fragesteller:innen:

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU-Ratsfraktion, DIE LINKE/Die PARTEI, SPD (J. Drechsler)

Fragen und Beantwortung:

Fragesteller:innen:

Sehr geehrte Damen und Herren,

zu Ihrer Informationsanfrage teile ich Ihnen im Auftrag des Oberbürgermeisters Folgendes mit:

Baumpflanzungen und Baumpflege stellen das Chemnitzer Grünflächenamt vor
Herausforderungen. Um dabei das große Potential der Unterstützung vieler baumliebender Chemnitzerinnen und Chemnitzer zielführend zu integrieren, sind personelle und organisatorische Voraussetzungen erforderlich. Wir bitten daher um die Beantwortung folgender Fragen:

1. Welche Anfragen zu bürgerschaftlichem Engagement im öffentlichen Grün (Pflege, Baumpatenschaften, Putzaktionen im öffentlichen Grün, Gründung von Gemeinschaftsgärten, Pflanzaktionen etc.) erhält das Grünflächenamt in welchem Umfang und wie, durch wen und in welchem Zeitraum kann auf diese Anfragen reagiert werden?

Die Anfragen zum bürgerschaftlichen Engagement kommen über verschiedene Kommunikationsmöglichkeiten im Grünflächenamt an. Schwerpunktmäßig sind es spontane Anfragen zu „Putzaktionen“. Die Anzahl solcher Aktionen liegt bei ca. 10 bis 15 im Jahr.
Gemeinschaftsgärten auf Grundstücken des Grünflächenamtes sind aktuell auf dem Sonnenberg, der Matthesstraße und dem Bürgergarten Uferpark verortet. Dabei sei jedoch auf das große Netz von Kleingartenanlagen in der Stadt Chemnitz, in denen freie Parzellen zu sehr günstigen Konditionen gepachtet werden können, hingewiesen.
Gemeinschaftliche Pflanzaktionen werden selten angefragt; dies sind auch in organisatorischer und fachlicher Hinsicht ziemlich aufwendig. Zugunsten des Kommunalwalds der Stadt Chemnitz hat eine Aktion gemeinsam mit der Belegschaft eines Unternehmens stattgefunden. Es wurden gleichzeitig 5.000 € für den Erhalt des Waldes gespendet hat.

Das Thema „Baumpatenschaften/Baumspenden“ kann leider nicht in der Intensität umgesetzt werden, wie es sich die Verwaltung wünscht. Kommunikation, Organisation und Kontaktpflege sind sehr zeitaufwendig und können leider aufgrund des beschlossenen Stellenabbaus nicht mit der dafür erforderlichen Arbeitskapazität untersetzt werden.

2. Wie hat sich die Anzahl der angefragten und realisierten Baumpatenschaften und Baumgießpatenschaften in den vergangenen drei Jahren entwickelt?

Seit dem Jahr 2019 haben sich ca. 140 Interessenten für eine Baumpatenschaft im Grünflächenamt gemeldet, wobei die Hauptanfragen in den Jahren 2020 und 2021 zu verzeichnen waren.
Eine nochmalige Abfrage der Interessenten im Mai 2021, ob weiterhin die Bereitschaft oder das Interesse besteht, wurde von 22 Interessenten mit positiver Antwort bestätigt, so dass aktuell diese Anzahl den aktuellen Rahmen der „bekannten“ Baumpatenschaften darstellt. Die Anzahl der Bäume, die mit diesen Patenschaften einhergeht, beträgt 51 Stück (zumeist Jungbäume).

3. Auf welchen Wegen und in welchem Rahmen ist es möglich, konkret durch Spende Baumpatin oder -pate zu werden und inwiefern ist es möglich, die Bäume zu spenden, die im Rahmen der regulären Pflanzungen des Grünflächenamtes sowieso gepflanzt werden?

Zunächst muss zwischen einer Baumspende und einer Baumpatenschaft differenziert werden.
Eine Baumspende ist eine i.d.R. einmalige finanzielle Unterstützung für den Straßenbaumbestand oder den Baumbestand in öffentlichen Grün- und Parkanlagen, bei der sich für den Spender eigentlich keine weiteren Handlungen ergeben (müssen). Das Grünflächenamt beschafft die Bäume mittels einer Ausschreibung.
Die Regelungen für Geldspenden sehen wie folgt aus:

Bei Geldspenden bis einschließlich 200,00 € wird von der Ausstellung einer Zuwendungsbestätigung abgesehen. Als Nachweis gegenüber dem Finanzamt genügen der Bareinzahlungsbeleg bzw. die Buchungsbestätigung. Bei einem Betrag ab 200,01 € wird von der Stadt Chemnitz eine Zuwendungsbestätigung erstellt. Dafür ist es erforderlich, dass die vollständige Anschrift des Spenders mitgeteilt wird. Weiterhin kann eine öffentliche Nennung als Baumspender, sofern das Einverständnis vorliegt, erfolgen. Ab einem Betrag von 250,00 € kann, sofern gewünscht, ein Hinweisschild neben dem Baum auf einer kleinen Holzstele aufgestellt werden. Der Text ist im Rahmen der Möglichkeiten individuell abstimmbar. Die Fertigung und Aufstellung der Holzstele erfolgt durch das Grünflächenamt, die Herstellung und die Gravur des Schildes über ein in Chemnitz ansässiges Unternehmen.

Natürlich kann ein Baumspender gleichzeitig auch eine Baumpatenschaft übernehmen.
Die Baumpatenschaft wird, sofern gewünscht, mit einer Urkunde und einem Beiblatt mit Pflegehinweisen zu Baumscheiben honoriert.

Die Kontaktaufnahme mit dem Grünflächenamt erfolgt entweder per Telefon oder E-Mail, wobei die weitere Kommunikation vorzugsweise per Mail erfolgen sollte, insbesondere dann, wenn im Falle einer Spende der Wunsch besteht, dass am abgestimmten Spendenbaum ein Schild aufgestellt wird und der Entwurf dem Spender im Vorfeld zur Bestätigung oder Änderung zugesendet werden muss.

Die Entgegennahme und Verwendung von „Spendenbäumen“ im physischen Sinne ist leider nicht möglich. Die Beschaffung des Pflanzmaterials ist Bestandteil der bereits v.g. Ausschreibung der Pflanzleistung; dabei spielen auch Gewährleistungsansprüche im Nachgang der Baumpflanzung eine Rolle.
Die Spenden als solche sind Ausdruck der Verbundenheit der Bürger mit der Natur bzw. mit dem städtischen Grün. Im Bereich des sog. straßenbegleitenden Großgrüns kann die Pflanzung eines Straßenbaums Kosten zwischen 1.500 € und 5.000 € verursachen, da zumeist schwierige Bedingungen im öffentlichen Straßenraum vorliegen. Dazu gehören u.a. vorhandene Leitungen und Flächenversiegelungen. In den öffentlichen Grünanlagen sind die Pflanzkosten für einen Baum wesentlich moderater. Aber Geldspenden für unsere grüne Lunge sind jederzeit sehr willkommen und werden sorgfältig verwaltet und eingesetzt.

4. Wie viele Einzelspenden für Bäume sind bei der Stadtverwaltung seit dem Start der Aktion „Mein Baum für Chemnitz“ insgesamt und wie viele Spenden ab 250 € eingegangen?

Seit dem Jahr 2019 wurden 9.691€ für die Chemnitzer Straßenbäume und Bäume in den öffentlichen Parkanlagen gespendet. Die Höhe der Spenden liegt zwischen 25 und 1.200 €. Die Gesamtanzahl der Spendenvorgänge beträgt 36 Stück. Bei 21 Spendeneingängen liegen die Beträge ≤ 250 €.
Für den Chemnitzer Kommunalwald wurde im Jahr 2019 ebenfalls gespendet. Hier handelt es sich um eine Einmalspende in Höhe von 5.000 € (siehe dazu auch Pkt. 1).

5. Wie viele Hinweisschilder mit Angaben zur Spenderin bzw. zum Spender sind bisher in welchen Stadtteilen angebracht worden?

Bislang wurden 15 Schilder auf Holzstelen in den Stadtteilen Schlosschemnitz, Zentrum und Altchemnitz aufgestellt.

6. Welcher Aufwand wird bei der Organisation der Patenschaften, der Spenden sowie
der Organisation, Herstellung, Gestaltung von Schildern sowie Urkunden erbracht
und welche Kosten entstehen dabei?

I. Bearbeitung der Baumspenden:
– bei Posteingang „Baumspende“: Abfrage nach Vorstellungen/Wünschen (ob Straßenbaum oder Baum in Grünfläche gewünscht)
– Prüfung der Vorstellungen/Wünsche des Baumspenders – nach vorliegendem Pflanzplan
– der Stelleninhaber entscheidet eigenständig, welcher Pflanzstandort gemäß Pflanzplan
dem Baumspender vorgeschlagen wird
– Die Rückantwort mit Informationen zum Spendenkonto einschl. des Vorschlags bzgl. Baum und Standort enthält alle notwendigen Formulare für die weitere Bearbeitung:
(Datenschutzblatt, Abfrage der Adresse für Spendenbescheinigung, Abfrage
öffentliche Nennung)
– weitere Bearbeitung nach Spendeneingang auf dem Baumspendenkonto, Unterschrift bzgl. Datenschutz und Infos zur Adresse und öffentlicher Nennung
– nach Spendeneingang bestellen und versenden einer Danksagung für Baumspende
– wöchentlich Prüfung eingegangener Spendengelder, Zuordnung zum Spender, kontieren der Spende und Information der Buchhaltung zur Aufnahme in die „Ratsvorlage zur Spendenannahme“ (Spenden müssen formell mit Stadtratsbeschluss angenommen werden)

II. Bearbeitung der Baumpatenschaften:
– bei Posteingang „Baumpatenschaft“ eindeutige Lokalisierung des betroffenen Baumes /
Baumscheibe
– prüfen, ob dieser schon „vergeben“ ist, dann Rückmeldung an Baumpaten, ggfs. mit Vorschlag eines benachbarten Baumes / einer benachbarten Baumscheibe
– Aufnahme eines Baumpaten nur nach Unterschrift gemäß Formular Baumpatenschaft
(Datenschutz!)
– nach Bestätigung des Baumpaten, bestellen und versenden der Urkunde für eine
Baumpatenschaft inkl. Hinweise zur Pflege des Baumes und der Baumscheibe

Einmal jährlich erfolgt eine Abfrage eines jeden Baumpaten, mit Bitte um Rückmeldung der weiteren Unterstützung und Weitergabe wichtiger Informationen zum Patenbaum.
An Baumpaten kann für Jungbäume bis zum 15. Standjahr ein Wassersack ausgeliehen werden.
Dies erfolgt nach Terminvereinbarung mit dem Stelleninhaber. Abholung und Rückgabe erfolgt im Technischen Rathaus oder Umweltzentrum.

Die Sachkosten für die Fertigung der Urkunden, Schilder, Holzstelen sowie deren Aufstellung belaufen sich auf ca. 80 bis 120 Euro pro Vorgang. Der zeitliche Aufwand (und damit der personelle Aufwand) ist abhängig vom Einzelfall; von der ersten Kontaktaufnahme bis zum abgeschlossenen Vorgang werden schätzungsweise 8 bis 20 Arbeitsstunden erforderlich sein.

7. Wieviel VZÄ werden im Grünflächenamt aktuell für die Bearbeitung und Koordination von bürgerschaftlichem Engagement im öffentlichen Grün insgesamt eingesetzt?

Für eine „aktive“ Bewerbung oder Betreuung von bürgerschaftlichen Engagement steht leider kein Personal im Grünflächenamt zur Verfügung.
Die Mitarbeiter des Grünflächenamtes teilen sich – je nach Zuständigkeit – in die zu erledigenden Aufgaben; die Koordination innerhalb des Grünflächenamtes obliegt einem Abteilungsleiter.

8. Wieviel und welches Personal steht konkret zur Betreuung der Baum- und Gießpa-
tenschaften / Baumspenden zur Verfügung?

Siehe dazu Antwort zu Frage 7.

9. Welcher personelle Aufwand wäre notwendig, um entsprechend den eingehenden Anfragen und Bedarfen koordinieren zu können und welchen Kosten wären damit verbunden?

Für eine gezielte Bearbeitung und Koordination des bürgerschaftlichen Engagements, einschl. der kontinuierlichen Bearbeitung und Weiterentwicklung der Kampagne „Mein Baum für Chemnitz“ (darin enthalten ist auch die Bearbeitung der Baumspenden und Baumpatenschaften) sowie der „Nimm-Platz-Projekte“, wäre 1,000 AE mit einer EG 08 nach Einschätzung des Grünflächenamtes notwendig (EG 8 = 75 T€ Jahreswert gemäß DA 1008). Aufgrund des beschlossenen Stellenabbaus kann hierfür aber keine zusätzliche Stelle eingerichtet werden.

10. Wie können durch mehr personellen Ressourcen mehr Spenden eingeworben sowie mehr Patenschaften betreut werden?

Durch die Steigerung der personellen Ressourcen könnte die Kommunikation mit Baumpaten/ Spendern deutlich intensiviert und ausgebaut werden. Zum Beispiel könnten regelmäßige Treffen zur besseren Bindung der Baumpaten (oder auch Spendern) an das Grünflächenamt organisiert werden, die gleichzeitig zum Erfahrungsaustausch und/oder zur Ausgabe von Bewässerungssäcken genutzt werden. Eine aktive Bewerbung der Kampagne in den Medien, einschl. regelmäßiger
Folgeinformationen/Presseartikeln, wäre möglich.

11. Welche Potentiale könnten für eine breitere Bewerbung und Verankerung der Aktion „Mein Baum für Chemnitz“ in der Stadtbevölkerung insbesondere im Hinblick auf verschiedene Zielgruppen (Spendenbereitschaft und/oder Pflegebereitschaft) erschlossen werden?

In Fortführung der Beantwortung der Frage 10 könnten folgende Potentiale erschlossen werden:
– Mitarbeit im Modellprojekt „Baumpatenschaften an Kitas, Schulen und Einrichtungen offener Jugendarbeit (Zusammenarbeit mit den Ämtern 41 und SE17)
– Thema „Mein Baum für Chemnitz“ als Schulprojekte
– intensive Zusammenarbeit mit dem Verkehrs- und Tiefbauamt sowie dem ASR zum Thema „Pflege von Baumscheiben“, Mitarbeit in der AG Baumschutz
– regelmäßige Abstimmungen mit allen Bürgerplattformen und Stadtteilmanagern
– Organisation eines jährlichen Baumpaten-/Baumspendentreffens einschl. der damit in Ver-
bindung stehenden Leistungen (bspw. Entwurf/Versand Einladung, Veranstaltung pla-
nen/organisieren/durchführen/nachbereiten)
– Organisation öffentlichkeitswirksamer Termine gemeinsam mit Baumspendern oder Baumpaten (z.B. Baumfeste in Kitas; Baumpflanzungen Stadtradeln Kampagne; etc.)
– Ansprache von Vereinen, Initiativen etc. zur Unterstützung und Bekanntmachung der Kam-
pagne „Mein Baum für Chemnitz“
– Generelle Überarbeitung/Optimierung der Kommunikationsstrategie
– Ausbau medialer Nutzung

12. Welche Datensätze über Stadtbäume und Pflanzstandorte stehen aktuell zur Verfügung?

Das Grünflächenamt verfügt über ein digitales Baumkataster, in welchem der Baumstandort, Informationen zur Baumart, Pflanzjahr, Vitalität und Maßnahmen im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht enthalten sind. Im Rahmen der kontinuierlichen Baumkontrollen werden diese aktualisiert.-

13. Mit welchem Aufwand wäre es möglich, den Wunschstandort für eine Baumspende auf einer mit dem Baumkataster verknüpften Online-Karte mit geplanten Pflanzstandorten im Internetauftritt der Stadt Chemnitz auszuwählen und bereits erfolgte Baumspenden/Baumpatenschaften dort anzuzeigen?

Eine Online-Karte analog dem Internetauftritt der Stadt Leipzig ist unter der Voraussetzung der Umsetzung der bisherigen Ausführungen in den Fragen 7 bis 11 denkbar. Dies erfordert jedoch zusätzliche personelle Ressourcen.

14. Welche Wege insbesondere durch die Nutzung digitaler Apps können gegangen werden oder sind geplant, die für die Umsetzung und Pflege in einer solchen App genutzt werden können?

Die Verwendung digitaler Apps wären auch im Sinne der Kommunikation bzw. Aktualität von Daten sehr begrüßenswert; momentan aber aus finanziellen und personellen Gründen nicht umsetzbar.

15. Ist beispielsweise die Initiative „Open Green Map Chemnitz“
https://chemnitzgiesst.web.app/ bekannt?

Diese Initiative ist bekannt. Grundlage für die darin enthaltenen Baumdaten ist das Grünflächeninformationssystem (GriS) des Grünflächenamtes der Stadt Chemnitz. Die scheinbar aktuell inaktive App, zumindest hinsichtlich der Datenaktualisierung, ist in jedem Fall entwicklungsfähig. Die vergleichbare App in Leipzig ist ein Projekt mehrerer Partner, u. a. der Stadt Leipzig.

16. Inwiefern werden Mittel für die Umsetzung der opensource App „Gieß Dein Kiez“ benötigt bzw. bereitgestellt?

Aktuell stehen keine Mittel zur Verfügung.

17. Bestehen Kontakte zum Grünflächenamt Leipzig und der Aktion baumstarke Stadt Leipzig und welche Voraussetzungen und Erfahrungen (Stellen, Organisation etc.) sind für Chemnitz anwendbar bzw. nicht anwendbar?

Nach dem Start der Kampagne „Mein Baum für Chemnitz“ wurde mit der Stadt Leipzig Kontakt aufgenommen. Für die Aktion „Baumstarke Stadt“ stehen in Leipzig 1,5 VZÄ zur Verfügung. Generell kann die Verfahrensweise auch auf die Stadt Chemnitz übertragen werden.

Mit freundlichen Grüßen

Michael Stötzer
Bürgermeister

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